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Zur Geschichte der Systematischen Musikwissenschaft

Das Konzept der SMW wurde im Jahr 1885 in einer viel zitierten Schrift des österreichischen Musikwissenschaftlers Guido Adler eingeführt. Sein Aufsatz "Umfang, Methode und Ziel der Musikwissenschaft“ teilte die Musikwissenschaft in zwei prinzipiell gleichwertige Teile - "historisch" und "systematisch". Erst mehr als ein Jahrhundert später schrieb die Universität Graz im Jahr 1997 nach wiederholten Anträgen von Rudolf Flotzinger, Professor für Musikwissenschaft bis 1999, die erste österreichische Professur für Systematische Musikwissenschaft aus.

Bereits im späten 19. Jahrhundert wurde Musikforschung in einer Vielzahl verschiedener Fächer betrieben. Die bekanntesten Musikforscher dieser Zeit entstammten dem deutschsprachigen Raum:

  • Der Physiologe und Physiker Hermann von Helmholtz forschte u.a. im Bereich der Psychophysik der Musikwahrnehmung. Die sensorische Rauigkeit war das zentrale Element seiner Theorie der musikalischen Konsonanz.
  • Carl Stumpf, Philosoph und Psychologe, stellte in seiner Theorie der musikalischen Konsonanz die subjektive Verschmelzung komplexer Töne in den Vordergrund. In seinem Buch zum Ursprung der Musik verglich er alte und neue Theorien zur Entwicklung von Sprache, Gesang, Polyphonie, Rhythmus und "primitiven" Instrumenten.
  • Der Philosoph und Psychologe Theodor Lipps entwickelte eine introspektive, psychoanalytische Theorie zur Ästhetik und künstlerischen Einfühlung.
  • Der Arzt und Anatom August Knoblauch untersuchte die Neuropsychologie der Musikkognition und der Amusie.
  • Der vergleichende Musikwissenschaftler und Musikpsychologe Richard Wallaschek entwickelte eine Theorie der musikalischen Emotion und Kognition.
  • Der Universalmusikwissenschaftler Hugo Riemann entwickelte seine einflussreiche Theorie der Musikwahrnehmung und -struktur (harmonische Funktion, melodische Phrasierung...)  und publizierte zahlreiche praxisorientierte Schriften, beispielsweise  über musikalischen Ausdruck, Klavierpädagogik und Komposition.

Guido Adler strebte eine einheitliche Musikwissenschaft an, in der historische und systematische Aspekte als gleichwertig betrachtet werden und konstruktive Interaktionen die Qualität steigern. 

Heute ist der größte Teilbereich der Systematischen Musikwissenschaft (gemessen nach Experten, Konferenzen, Publikationen und Fachzeitschriften) die Musikpsychologie bzw. die Musikkognition, die selbst auch eine lange Geschichte hat. Bereits griechische Philosophen beschäftigten sich mit musikpsychologischen Themen, die noch heute relevant sind, wie die Wahrnehmung musikalischer Struktur, musikalischer Emotion und Bedeutung, die psychologischen und sozialen Funktionen von Musik, und Zusammenhänge von Musik mit Persönlichkeit, Sozialer Identität und Moral. Die Blütezeit der Musikpsychologie begann in Zentraleuropa im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ihre Entwicklung wurde dann von der „kognitiven Wende“ der Psychologie in den 1960ern weiter vorangetrieben und sie floriert und wächst seither immer weiter.

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